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Wir haben Anfang Januar unsere Forderungen zur Tarifrunde 2010 veröffentlicht und zeitgleich die Lufthansa zu Verhandlungen aufgefordert. Ungeachtet des üblichen Umgangs unter Tarifpartnern hat die Lufthansa bisher nach über 6 Wochen noch in keiner Weise auf das Forderungspaket reagiert.Inoffiziell haben wir von Vertretern der operativen Geschäftsleitung viel Beifall bekommen, die unser Ansinnen, als gewerkschaftlicher Partner, unsere Lufthansa als Premiumcarrier zu erhalten zu schätzen wissen. Die Tatsache, dass wir uns in der derzeitigen Situation nur auf ganz grundsätzliche und für Bodenarbeitnehmer selbstverständliche Forderungen beschränkt haben, hat uns in der Presse und bei denselben Managementvertretern ebenso viel Respekt eingebracht. Dies scheinen nur die verantwortlichen „Topmanager“ in den obersten Etagen nicht zu realisieren und verspielen damit leichtfertig die Chancen auf eine einvernehmliche Lösung.
Wie ist die Nichtreaktion der Lufthansa-Tarifabteilung zu werten? Hat man auch in diesen Abteilungen so viel Personal eingespart, dass niemand mehr Zeit hat, sich mit uns auseinanderzusetzen? Man bedenke, dass in 8 Tagen unser Tarifvertrag auslaufen wird. Nein, das wüssten wir! Selbstverständlich ist das Problem ganz anders gelagert. Ähnlich wie mit den Vertretern der VC möchte man mit uns scheinbar keine konstruktiven Lösungen erarbeiten und spielt stattdessen Vogel Strauß. Fehlen solide Vorschläge und Ideen, die man uns präsentieren und mit uns diskutieren könnte? Das können wir uns fast nicht vorstellen! Oder gibt es sehr wohl Antworten, die der Arbeitgeber derzeit noch nicht veröffentlichen will? Gibt es hier noch unerwarteten Zündstoff? Kennen wir erst die Spitze des Eisbergs der Pläne?
Denn, warum riskiert die Lufthansa die zu erwartenden enormen Kosten des Cockpitstreiks? Die VC hat keine teuren Forderungen gestellt. Selbst eine Nullrunde wurde ja bereits angeboten. Es wird seitens der Pilotenschaft lediglich versucht, sicher zu stellen, dass nicht in Zukunft unsere vielen Konzerntöchter gegeneinander ausgespielt werden und unsere Tarifverträge damit völlig ausgehebelt werden können. Wenn die Lufthansa dies nicht vorhätte, könnte sie mit der VC an dieser Stelle eine Lösung finden. Ihre Sturheit an dieser Stelle lässt Unschönes vermuten.
Wir müssen also davon ausgehen, dass die Lufthansa tatsächlich vorhat, weiter mit dem Namen Lufthansa zu werben, aber sukzessive billigere Tarifverträge bei anderen Konzerntöchtern zu etablieren, um Personal-Lowcost durchzusetzen. Das geht nicht nur das Cockpit an, sondern ganz besonders auch uns.
Wir dürfen uns hier nicht ins Boxhorn jagen lassen. Gemeinsam lässt sich dies verhindern und die Lufthansa wird trotzdem weiterhin als profitables Unternehmen dastehen. Wir dürfen jetzt nicht auf die Anti-Mitarbeiterveröffentlichungskampagnen anspringen. Wir sind sehr froh, dass wir einen so guten Kontakt zur VC haben und hier mit einer Stimme sprechen.
Umso wichtiger ist es also, dass wir die Lufthansa rasch an den Verhandlungstisch bekommen.
Hier noch einmal Highlights aus dem Krisenforderungspaket der UFO, zur Verdeutlichung, dass die Verweigerung an diesem Paket schlicht nicht liegen KANN:
Neben der absolut kostenneutralen Forderung den Status quo, beim Crewcomplement (keine PII-Integration, kein FB-Abzug) zu erhalten, fordert die UFO: - Ungekürzte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und im Urlaub durch bezahlungswirksame Flugstunden pro Krankheitstag und Erhöhung der Flugstunden im Urlaub, wie für jeden anderen Angestellten.
(Bundesgerichtshof hat gerade festgelegt, dass das Entgelt im Urlaub nicht geringer sein darf, als wenn gearbeitet wird.)
- Belastbarer Pausenanspruch bei langen Arbeitstagen und nicht mehr das Lotteriespiel, ob zufällig eine Pause entsteht.
- Reallohnerhaltende Vergütungserhöhung durch Festbetrag; (spart in der Gesamtsumme viel Geld und entlastet vor allem die unteren Gehaltsstufen)
- 40-Stunden-Woche für Flugbegleiter durch Begrenzung der maximalen Arbeitszeit.
- Einhaltung der Ziele der AG-MTV so wie im letzten Tarifabschluss versprochen (Stichwort Belastungskriterien und weitere örtliche Nächte bei langen Flügen) unter Ausschluss der Kostenneutralität
- Bezahlungswirksame Flugstunden für Bodenereignisse wie FITs, PATs, TKSR, SEOD, OF-Tag, Service Exzellenz, Brand-Academy und Ähnliches
- Planstabilität wie von der EU-Ops festgelegt.
Ganz bewusst wollten wir als UFO das Zeichen setzen: In der sich dem Ende zuneigenden Krise fordern wir nur Dinge, die entweder gar nichts kosten, oder nur sehr wenig, wenn anständig geplant wird.
Selbst die Begrenzung der maximal möglichen Arbeitszeit und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall kosten die Lufthansa kaum etwas, es sei denn, man möchte sich an den kranken Kollegen bereichern. Lufthansa müsste sich lediglich die Mühe machen, das Personal gleichmäßiger und gerechter einzusetzen und nicht an den Kapazitätsgrenzen zu operieren. Kostet wenig, bringt aber viel mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf und ist auch arbeitsmedizinisch sinnvoll, da es das Fliegen auch in Vollzeit noch lebbar macht.
Und wenn Lufthansa behauptet, z. B. eine Verlegung der Schichtzulage sei teuer, dann kündigt sie damit ja selbst an, uns in Zukunft vermehrt aus den freien Tagen fliegen lassen zu wollen. Es liegt also vollständig in den Händen des Arbeitgebers. Wir betonen an dieser Stelle noch einmal, dass wir im Falle einer friedlichen Gesamtlösung zu kleinen Schritten bereit sind. Viele Forderungen haben wir nicht mit einem Betrag versehen (Sockelbetrag, Verlegung der Schichtzulage etc.) es muss sich jedoch zwingend in die richtige Richtung bewegen.
Lufthansa stellt sich bislang komplett stur. Statt auf unser verantwortungsbewusstes Forderungspaket einzugehen und die absolut niedrige Forderung, der UFO wenigstens einmal zu erörtern, kontern die Vorstände und deren beauftrage Tarifabteilungen mit einer nie da gewesenen Ignoranz, nämlich gar nicht, und schlagen der Kabine damit die helfend ausgestreckte Hand zurück ins Gesicht:
- Sie wollen den P2 integrieren und auf allen Langstreckenflotten mind. einen FB-Arbeitsplatz abschaffen
- Sie verweigern die Anrechnung von earning-capacity auf Climb2011
- Sie wollen Mac-Löhne bezahlen aber First-Class-Performance dafür bekommen!
- Sie wollen die Krise ausnutzen, um uns arm (Vorschaltstufen) und krank zu machen (Fliegen bis der Arzt kommt)
- Sie rechnen die Situation der Lufthansa schlecht, um uns moralisch in die falsche Ecke zu stellen. (Man erinnere sich, wir haben im Krisenjahr 2009 alleine für Zukäufe mehr als eine Milliarde ausgegeben bmi, AUA. SN-Brussels, Aufstockung Jet-Blue usw. alle Analysten sehen die LH als DEN Krisengewinner)
- Was kommt noch dazu???
Dr. Franz zeigt bei den Piloten gerade, dass er diesen Konzern ins Chaos lenkt. Er scheint nicht die Fähigkeit oder das Interesse zu besitzen, unser Unternehmen in einem auf Ausgleich und Konsens bedachten System zu führen. Wer hätte gedacht, dass man sich Herrn Mayrhuber schon vor dessen Karriereende wieder zurückwünschen könnte. Dr. Franz kann augenscheinlich nur das, was uns in diese Wirtschaftskrise hineingeführt hat: Turbokapitalismus pur. Der Aktionär kriegt alles, der Mitarbeiter kriegt einen Tritt und soll froh sein, noch irgendeinen Arbeitsplatz zu haben. Manager wie Dr. Franz und seine Kollegen sind nicht Teil der Lösung, sie sind das Problem. Wer so provokativ und besinnungslos die Mitarbeiter gegen sich aufbringt, der gehört nicht auf den Chefsessel.
Die UFO wird nicht davor zurückschrecken, maßvolle und verantwortungsvolle Tarifverträge auch gegen den Willen von Herrn Dr. Franz durchzusetzen. Nötigenfalls müssen wir das Tarifergebnis erstreiken! Die UFO-Tarifkommission und die AG Streik bereiten derzeit alles Nötige vor, um unter den beschriebenen Vorzeichen auch zeitnah in den Arbeitskampf zu gehen. Wir werden notfalls durch mehrere Warnstreiks klar machen, wer wir sind und wie man mit uns besser nicht umgeht. Angedacht ist hierbei insbesondere eine Einbeziehung unserer P2-Kollegen in verhandlungsfördernde Aktionen.
Wir wollen das Wort „Pünktlichkeitsoffensive“ mit Euch zusammen vollkommen neu definieren und dem Management zeigen, wie hilfreich Crews bei der Gewährleistung des funktionierenden Flugnetzes sein können. Unser beratungsresistentes Management braucht offenbar Denkanstöße. Lasst uns zusammen dieses Management mal da „abholen“, wo sie stehen:-) Und sie dann dahin „mitnehmen“, wo sie hingehören: an den Verhandlungstisch!
Eure UFO TK Nicoley Baublies (Sprecher), Birgit Weinreich (stv. Sprecherin), Markus Konstantin Beyer, Ute Bundszus, André Goux, Samy Hamad, Holger Lange, Claudia Loeb, Anke Schmid, Stefan Schwerthelm, Jens Ulrich Starck, Boris Weitzel, Sabine Wolbold
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