 Warnstreiks im September werden immer wahrscheinlicher
In Summe stellt LH Gegenforderungen, die einen Gehalts-Verzicht von ca. 10% bedeuten.
Am 23.07 hat uns Lufthansa in der 6. Verhandlungsrunde ihre Gegenforderungen skizziert und diese dabei als „ausgewogenes Angebot“ betitelt. In einer Zeit, in der unser Konzern auf dem Weg ist, wieder einen Milliardengewinn einzufahren, soll mit den uns vorgelegten Forderungen in Summe eine Einsparung der Kabinenkosten von gut 10% erreicht werden. Fast noch schlimmer ist, dass uns grundlegende Entlastungen weiterhin verweigert werden und bereits geleistete Sparbeiträge nicht sauber angerechnet werden sollen. Zusätzliche Belastungen durch die momentane Personalknappheit werden geleugnet und es werden Maßnahmen gefordert, die unser Bestreben, das Berufsbild Kabine zu stärken, völlig ad absurdum führen bzw. dauerhaft verhindern würden.
Das „Angebot“ der Lufthansa:
Was uns LH vorgestellt hat ist aus verschiedenen Gründen nicht als Angebot zu bezeichnen und kann von uns deshalb in dieser Form nicht weiter diskutiert: - In der Summe soll am Ende eine deutliche Senkung der Gesamt-Lohnkosten heraus kommen.
- Etwaige Entlastungsmaßnahmen zu unseren Gunsten im MTV sollen durch noch stärkeren Lohnverzicht ausgeglichen werden.
- Die wenigen Arbeitgeber-Vorschläge mit der Überschrift „Entlastung“ sind entweder völlig unkonkret und daher nicht zu bewerten, oder aber wirkungslos. Nach unserer Rechtsauffassung stehen uns andere von LH angedeutete Entlastungsmaßnahmen ohnehin gesetzlich zu.
- Wichtige Forderungen wie ein Belastungskriterienkatalog, tatsächlich planstabilisierende Parameter im MTV, eine ernstzunehmende Mitbestimmung bei der Dienstplanerstellung durch die Personalvertretung, die Bezahlung zusätzlicher Bodentage und die Lohnfortzahlung im Krankheitsheitsfalle werden rundweg abgelehnt. Die Festschreibung des Crew-Complements und die Rolle des PII im MTV lehnt Lufthansa ebenso ab, und ist höchstens bereit das Crew-Complement in einem Sideletter vorübergehend zu regeln.
- Zusätzlich zu alledem wird eine Nullrunde bis Ende 2011 gefordert und der MTV soll ohne die in unseren Augen notwendigen Änderungen bis Ende 2012 fortgeführt werden.
Aus diesem Grund werden wir die Veröffentlichung des LH-Angebots im FBT an dieser Stelle gar nicht diskutieren. Wir wüssten nicht einmal, wie sich eine Diskussion entwickeln könnte, da alles, was bisher von LH betrachtet wurde, unter dem Vorbehalt der Gesamteinsparungen steht. Es macht aus Mitarbeiter-Perspektive auch gar keinen Sinn, über die Bedeutung einer Beschäftigungssicherung zu reden, solange Lufthansa dies unter den Vorbehalt stellt, dass wir auf Gehalt verzichten müssen. Immerhin werden gerade händeringend 1600 neue Flugbegleiter gesucht. Wer genau liest, stellt fest, dass nur von einem Verzicht auf betriebsbedingten Beendigungskündigen nicht aber von Änderungskündigungen gesprochen wird. (ExpressII?)
Dies haben wir den LH-Vertretern am 23.7. am Ende der Verhandlungsrunde mitgeteilt und sie ultimativ aufgefordert, in den nächsten Runden hier deutlich nachzubessern, damit wir überhaupt weiter verhandeln können.
Der Verhandlungsführer der Lufthansa hat deutlich gemacht, dass ohne einen substanziellen weiteren Beitrag zu Climb2011 nichts passieren wird, und dass somit am Ende der Tarifrunde auf jeden Fall ein dickes Minus stehen muss.
Diese Prämisse muss verschwinden – das ist nicht verhandelbar.
Die Kabine hat bereits signifikante Beiträge geleistet: 2005 wurden bereits dauerhaft die Lohnkosten u.a. durch die Vorschaltstufen abgesenkt.
Betrieblich hat die Produktivität enorm zugenommen (SLF, Earning-Capacity, Spesennullrunden seit 12 (!) Jahren, Produktivitätserhöhungen durch Stundenerhöhung und “we face the future“) Dies muss sauber beziffert, anerkannt und angerechnet werden. Alleine die Produktivitätserhöhung der letzten Monate bringt einen hohen zweistelligen Millionenbetrag an Zusatzerträgen.
Vergleichbarkeit mit Cockpit und ver.di?
Die Lufthansa versucht die Kabine mit dem Scheinargument herunterzuhandeln, dass die VC und die ver.di Spar-Beiträge geleistet haben.
Die VC hat nur deshalb eine Nullrunde akzeptiert, weil ihr wichtigstes politisches Ziel, der KTV (Konzerntarifvertrag), erneuert, bekräftigt und als Tarifvertrag festgeschrieben wurde. Ohne diese Regelung, die Wachstumsgarantien und Vergütungsbedingungen im Sinne der Cockpit beschreibt, sowie weitere Verbesserungen, etwa bei der Übergangsversorgung, hätte es von der VC niemals irgendwelche Zugeständnisse gegeben. Das Ergebnis der Schlichtung ist also ein Erfolg für die Cockpit. Sich hier rosinenpickend nur die kurzfristigen finanziellen Einsparungen der Schlichtung anzuschauen, ist unsauber.
Die ver.di ist derzeit so schwach aufgestellt, dass sie zur aktuellen Tarifrunde nicht einmal die Tarifverträge gekündigt hatte. Daher war der Ablaufpunkt schon eine Nullrunde. Es ist also bei ver.di absehbar gewesen, dass die Tarifverträge einfach verlängert werden. Dies mag bei der extrem schwachen Vorgehensweise der ver.di verständlich sein, ist aber mit der UFO nicht zu vergleichen. Warum gibt es die UFO, wenn wir uns nun an den Ergebnissen der ver.di orientieren sollen? Zur Klarstellung: Es geht uns nicht um eine Entsolidarisierung von den Bodenkollegen, deren Ausgangssituation eine andere ist. - Der Boden hat überhaupt keine derartigen MTV-Probleme wie wir sie haben; von der 40-Stundenwoche über den Pausenanspruch bis hin zur Planstabilität ist für Bodenangestellte alles gesetzlich geregelt, was uns in der Kabine in Rechnung gestellt werden soll...
Ruhe kehrt nur ein, wenn Grundlegendes geklärt wird - die „Krisenforderung“ der LH findet im VTV bereits ihre Entsprechung
Die Lufthansa hat noch nicht begriffen, dass sie die Krise nicht dauerhaft argumentativ verlängern kann, dazu sind die Zahlen und Prognosen zu gut. In den Augen des Arbeitgebers gibt es zwar nie den richtigen Zeitpunkt, das kann aber nicht unser Ablaufpunkt sein, wenn wir über Grundbedürfnisse verhandeln.
Wir stellen Forderungen nach Grundrechten, die so elementar sind, dass der Arbeitgeber diese erst einmal mit uns regeln muss, bevor wir uns mit anderen Mitarbeitergruppen vergleichen lassen und in der Summe kompromissbereit werden können.
Wir haben mit unserer Forderung im Vergütungstarifvertrag (VTV), der letztlich nur ein Ausgleich der Inflation darstellt, bereits eine echte Minimallösung angeboten. Kann sich die Mehrheit der Kabinenmitarbeiter nach den ganzen vorangegangenen Sparrunden eine Nullrunde überhaupt leisten?
Weitere Vorgehensweise
Die UFO-TK wird Mitte August selbst in einer zweitägigen internen Klausur nach weiteren Lösungsansätzen und Möglichkeiten suchen, die beschriebenen Ziele mit dem Arbeitgeber zu erreichen und dann Ende August (30. und 31.08) die Verhandlungen fortsetzen. Wir drängen mit aller nötigen Ernsthaftigkeit auf einen gemeinsamen Weg und eine friedliche Lösung, wenn es auch derzeit schwierig erscheint, einen ernsthaften Dialog mit der Arbeitgeberseite zu finden.
Info-Veranstaltungen in der ersten Septemberwoche
Über die Ergebnisse unserer Klausur, der nächsten Verhandlung und die weitere Vorgehensweise möchten wir uns dann mit Euch, den Mitarbeitern, die das Ganze betrifft in der 1. Septemberwoche austauschen. Wir werden Euch zeitnah über Veranstaltungsorte und -zeiten informieren.
Parallel: Vorbereitung von Warnstreiks, die ab 6. September jederzeit durchgeführt werden können
Wir nehmen den weiteren Verlauf der Verhandlungen ernst. Allerdings fehlt uns zur Zeit der Glaube, wie und ob es denn überhaupt voran gehen könnte. Der Arbeitgeber hat in 6 Verhandlungsrunden keinerlei Bewegung erkennen lassen, teils sogar Rückschritte gemacht. Will man die Kabine eventuell sogar absichtlich „sauer fahren? - will man die UFO in Zugzwang zu setzen: und überprüfen, ob sich die Kabine noch einmal wehren kann?
Scheinbar glaubt das Top-Management nicht daran und gibt der Verhandlungskommission auf Arbeitgeberseite keinerlei Verhandlungsspielraum.
Wir glauben jedoch an die Kabine und daran, dass unsere Forderungen als Eure Vertreter angemessen sind und ihr alle als Leistungsträger der LH die dort geforderten Entlastungen und Stabilisierungen braucht, um einen guten Job machen zu können.
Deshalb bereiten wir parallel alles für einen Arbeitskampf vor. Wenn nach dem 31.08 nichts Substantielles bei der Verhandlungsrunde herausgekommen ist und ihr, nicht zuletzt auf den Infoveranstaltungen signalisiert, dass die Entlastungen, sowie die monetären Änderungen, die wir anstreben, nötig sind, werden wir ab dem 6. September kurzfristig zu Warnstreiks aufrufen.
Bitte aktualisiert in der UFO-Geschäftsstelle Eure E-Mailadressen und vor allem die Handynummern, da wir wie letztes Jahr auch per SMS informieren werden.
Der Arbeitgeber hat nun noch 6 Wochen Zeit zu agieren. Die Ansprechpartner auf unserer Seite sind jederzeit zu Gesprächen bereit und ernsthaft an Lösungen interessiert – auf der anderen Seite scheuen wir uns nicht, für unsere Grundüberzeugungen auch die ultima ratio einer Gewerkschaft zu nutzen und Euch als Mitarbeiter zu „befragen“, wie ihr die Lage seht.
Der Appell unsererseits an das Lufthansa-Management lautet: Führen sie dieses Unternehmen nicht gegen die Grundbedürfnisse ihrer Mitarbeiter. Wir alle sind Teile dieses Unternehmens und jederzeit bereit, daran mit zu wirken, dass die Lufthansa eine Erfolgsgeschichte bleibt. Zuletzt im Frühjahr, beim Engpass nach der Vulkanaschewolke, haben wir alle gezeigt, wozu wir bei Bedarf willens und in der Lage sind. Fordern sie uns nicht heraus auch anders herum zu zeigen, was wir tun können, um unsere Arbeitsbedingungen und unsere Lufthansa vor weiterem Schaden durch Kaputtsparen und Demotivation zu bewahren.
Viele Grüße
Eure UFO-DLH-TK
Nicoley Baublies (Sprecher), Birgit Weinreich (stv. Sprecherin), Markus Konstantin Beyer, Ute Bundszus, André Goux, Samy Hammad, Holger Lange, Claudia Loeb, Anke Schmid, Stefan Schwerthelm, Jens Ulrich Starck, Boris Weitzel, Sabine Wolbold
P.S. Für alle die bereits ein Angebot zur Rückgabe der Teilzeit bzw. der Flugstundenerhöhung gemacht haben, hier die Formschreiben um dieses zu widerrufen: Widerruf Teilzeit, Widerruf Flugstundenerhöhung |