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Samstag, 03 Juli 2010 19:58

Am 02.07 fand nach mehreren Termin-Absagen seitens Lufthansa endlich wieder ein Verhandlungstermin zum VTV und MTV der UFO statt.

Nach insgesamt fünf Verhandlungsrunden hatte die Lufthansa eigentlich die feste Zusage gemacht, ein Angebot mitzubringen. Vorab: dies ist nicht geschehen. Die Lufthansa hatte ausschließlich Themen dabei, die sie ihrerseits schnell geregelt haben wollte (A380 Bereederung mit Regionalen Flugbegleitern – siehe Newsletter vom gestrigen Tag 2.7.10) und massive Gegenforderungen zur Vergütung.

Wir haben keinerlei Angebote zu unseren seit sechs Monaten auf dem Tisch liegenden Entlastungs- und Vergütungs-Themen bekommen, die in der jetzigen Situation wichtiger wird denn je. (Wir haben darüber ja bereits ausführlich berichtet – Details zu unserer unveröffentlichten Forderung finden sich in den verschiedenen UFO-Reports)
Die Verhandlungen sind damit in einem Stadium angekommen, in dem es Zeit wird, emotionsfrei, aber auch ohne Beschönigung über die Situation zu berichten und mit unserer Belegschaft in den Dialog zu treten, wie es weiter gehen soll.
Über die Details informieren wir in den nächsten Abschnitten. Wir möchten eindringlich darum bitten, die bekannten Foren, demnächst folgende Infostände im Crewkeller, sowie geplante Infoveranstaltungen, zu denen wir noch einladen werden, zu nutzen, um Euch ein umfassendes Bild zu verschaffen und zusammen mit uns für den Erhalt unserer Arbeitswelt zu kämpfen.

Die gute Nachricht zuerst:
Ein „kleines“ Thema konnte am Rande der aktuellen Tarifrunde tatsächlich gelöst werden. Ohne eine Veränderung der Alters- und Übergangsversorgung konnten wir den Weg freimachen, endlich auch Mitarbeitern über 40 Jahren eine Festanstellung in der Kabine zu ermöglichen. Es wird ab Anfang nächster Woche eine ausgiebige Veröffentlichung zu diesem Thema geben. Schon dies zeigt, dass wir auch in laufenden Verhandlungen bereit sind, Probleme zu lösen, wenn es Sinn macht.

 

Ein schlechtes Beispiel als Fingerzeig für die Zukunft
Ein anderes Randthema ist die Bereederung der A380. Bisher war dieses Muster im MTV nicht geregelt und darf deshalb nur mit maximal zwei regionalen FB bereedert werden. Die Lufthansa hat diese Regelung erst kürzlich zur Verhandlung gestellt, da sie eine ähnliche Anzahl pro Passagier wie auf dem Jumbo und anderen Mustern haben wollte. Wir haben uns dieser Sichtweise nicht grundsätzlich verweigert. Haben wir doch, gerade bei unserem Erstziel NRT, auch von den Crews die Rückmeldungen erhalten, dass die japanischen Kollegen eine wichtige Unterstützung darstellen.
Auch das Gesamtthema, sprich zukünftige Flüge nach PEK, Indien-Ziele, ggf. BKK wollten wir mit der LH in der aktuellen Tarifrunde lösen. Da NRT bereits geflogen wird, haben wir nach einer Zwischenlösung für diese Flüge gesucht und waren bereit, mindestens vier japanischen Kollegen auf diesen Flügen zuzustimmen. In allerletzter Minute jedoch wurde diese von uns schon fast unterschriebene Zwischenlösung ohne Not auf ALLE regionalen Kollegen erweitert und es wurden plötzlich auch die Anzahl neu diskutiert und über bis zu sechs Kollegen geredet. Da wir an einer Lösung interessiert waren, haben wir hart darüber verhandelt und sind bis an die Grenzen des Machbaren gegangen. Dies hat LH jedoch nicht gereicht.
Was allerdings das wirklich Schlimme daran ist: Statt wie im Juni Japaner additional auf die Flüge zu planen, was bei den ungeübten Abläufen an Bord und der neuen Technik etc. sowieso sehr sinnvoll war, interpretiert die LH plötzlich den Tarifvertrag um. Sie ist nun der Meinung, dass regionale Kollegen mit Stationierungsorten in Deutschland überhaupt keine "Regionalen" mehr sind. Sie haben uns angekündigt, ab sofort den Tarifvertrag zu brechen und einseitig mehr "Regionale" einzusetzen. Bei erfolgreicher Deutschprüfung und einem „normalen“ Einsatz in einem der Competence-Teams SOWIE auf Kurzstrecke haben wir dagegen auch nichts einzuwenden. Dies jedoch ist nicht geplant.
Diese Vorgehensweise ist ein wirkliches Novum. Nach dem Motto: wenn du mir dein Auto nicht zu meinen Konditionen verkaufen willst, dann klaue ich es eben und behaupte, dass es mir gehört. Bis nachgewiesen hast, dass es deines ist, hab ich wenigstens die Zeit es zu nutzen. Dies ist ein Tabubruch und ein Indiz dafür, wie LH es mit der Vertragstreue hält.
Wenn LH wirklich selbst der Meinung wäre, dass dies rechtens ist, hätte sie sicherlich nicht die letzten Wochen mit uns über eine Lösung verhandelt.
Wie der sicherlich entstehende Rechtsstreit ausgehen wird, darüber wird die Personalvertretung berichten, die gegen den Tarifvertragsbruch klagen muss.

Wirtschaftliche Lage allgemein
Die Verhandlungspause erschien der TK der UFO in einer Hinsicht hilfreich: Zwar mussten wir alle mit den alten Tarifbedingungen, ohne Entlastung, ohne Gehaltserhöhung leben, anderseits schwoll um uns alle herum die Flut an guten Nachrichten an. Die Arbeitslosigkeit sank, der EURO erholte sich langsam, die Konjunkturprognosen wurden angehoben, die IATA vermeldete starke Wachstumsraten in der Passagier-Anzahl und den Ticketpreisen, Frachtraten.

Einzig die monetäre Belastung der Arbeitnehmer steigt: Durch angekündigte Einsparmaßnahmen im Zuge des Sparpakets der Bundesregierung, die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge (übrigens NUR beim Arbeitnehmeranteil) und wieder steigende Lebenshaltungskosten etc.

Die Gewerkschaften rund um uns herum haben deshalb auch schon angekündigt, dass die Lohnabschlüsse wieder steigen werden. Die ersten nennenswerten bereits erzielten Abschlüsse spiegeln diese Ankündigung auch wieder. Der Marburger Bund hat für die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern entscheidende Verbesserungen erreicht und auch zahlreiche andere Abschlüsse tragen der Verbesserung der wirtschaftlichen Lage durch gute bis sehr gute Abschlüsse Rechnung.
Eine Übersicht über alle Abschlüsse findet sich hier: http://www.boeckler.de/16637.html

Wirtschaftliche Lage Lufthansa
Auch bei Lufthansa geht es steiler bergauf, als es die größten Optimisten erwartet hatten. Der Ölpreis ist stabil weit unter 80 Dollar (2008 waren es bis zu 150 Dollar), die Buchungszahlen steigen an, wir stellen 1.600 neue Flugbegleiter ein, der Leiter des Climb2011-Projekts Herr Klühr vermeldet, dass sämtliche Einsparziele im Plan liegen und bereits dieses Jahr 300 Millionen € eingespart werden. Die Fracht erzielt Traumraten, weit oberhalb des Vorkrisenniveaus, die AUA macht keine Verluste mehr und unsere eigene Langstrecke hat sich auch im Premiumsegment mehr als erholt. Zusätzlich kommen permanent neue Ziele hinzu: Wir wachsen beträchtlich. Die strukturell schwierigeren Teilergebnisse im Konzern, wie z. B. der dezentrale Verkehr oder die neue Tochter bmi können durch ein bereits von Mayrhuber angekündigtes Milliardenergebnis für das laufende Jahr gut kompensiert werden.

Bewertung VC-Ergebnis
Durch eine Schlichtung unter Dr. Klaus von Dohnany erzielten die Cockpitkollegen eine Lösung, nicht nur in den „einfacheren“ Themen ihrer offenen Vergütungs- und Manteltarifverträge, sondern vor allem auch in dem jahrelang hart umkämpften Konzerntarifvertrag. Die Lufthansa konnte sich mit ihrem Ansinnen, die Möglichkeit von Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland und zu den günstigeren Regionaltöchtern zu erreichen, nicht durchsetzen.  Die Cockpit hat für diese wichtige Weichenstellung, für die Zukunft der Piloten im Konzern, Zugeständnisse gemacht. So wurde die Mehrflugstundenauslösegrenze um bis zu zwei Stunden angehoben, dies aber direkt gekoppelt an ein Wachstum von 40 Flugzeugen im dezentralen Bereich. Die von der Geschäftsleitung eingeforderte Nullrunde wurde mit der konkreten Vereinbarung verknüpft, fast allen unter dem KTV arbeitenden Piloten die Übergangsversorgung und die sog. Loss-of-License-Versicherung auf dem Niveau der DLH-Passage zu ermöglichen. Wir haben uns intensiv mit der VC ausgetauscht. Diese ist zufrieden mit ihrem Abschluss und hat uns deutlich gemacht, dass es in der Schlichtung keine Blanko-Schecks gegeben hat. Wenn der langjährige Streit um den KTV nicht mit konkreten Absicherungen beendet wäre, hätten die Cockpitkollegen keinerlei Zugeständnisse gemacht, da sie die Lage der LH und der Wirtschaft im Allgemeinen mindestens so positiv sehen wie wir! Wir haben keine politische KTV-Forderung, schon alleine aus diesem Grund sind solche Zugeständnisse, so richtig sie im Fall der Cockpitkollegen auch gewesen sind, bei uns nicht denkbar.

Was wir in diesem Fall vom Cockpit wieder ein mal abschauen können, ist wie extrem wichtig es ist, auch über einen längeren Zeitraum und trotz extremster Gegenwehr des Arbeitgebers für seine berechtigten Interessen zu kämpfen - UND dass man diesen Kampf gewinnen kann. Allerdings nur, wenn man auch bereit ist, solidarisch für einander ein zu stehen. Unsere gestrige Verhandlungsrunde hat abschließend gezeigt, dass man mit guten Argumenten und sachlichen Verhandlungen allein nicht weit kommt.

Wer ist bedroht?
Um Euch den wirklichen, neuen Ernst der Lage zu verdeutlichen, wollen wir hier die gestern neu von der GL vorgestellten Denkansätze zur Kürzung der Kabinengehälter kurz skizzieren. Alle anderen bereits angekündigten oder umgesetzten Maßnahmen kommen hier noch on top.

Als hätte es die massiven Einsparungen in 2005 (Einführung der Vorschaltstufen, Nicht-Steigern in Elternzeit, nachhaltige Streichung des 35. Quartalstages etc.) nicht gegeben und als stünden wir am Abgrund wie 1991 und in ähnlichen Krisen, will man jetzt bei uns  ALLEN an die Substanz. Die Kabine muss in den Augen der GL nicht nur stärker belastet werden: Erhöhung des Flugstundenkorridors, Earning-Capacity, gemischt für „alle“ im Rahmen von wftf etc. - die GL gibt sich auch unbeeindruckt vom VC-Abschluss, der wirtschaftlichen Lage und allen anderen Themen und will zusätzlich an unser Gehalt und damit in Folge auch an unsere Alters- und Übergangsversorgung:

  1. Die Vorschlagsliste fing damit an, dass uns vorgerechnet wurde, was es einsparen würde, wenn z. B. alle FB in Zukunft nur noch zweijährig gesteigert würden UND ODER die Gehaltstabelle bei Stufe 10 endet. Eine ähnliche Systematik bei Pursern wurde in Aussicht gestellt.   
  2. Bereits andiskutierte Vorschläge, eine automatische Steigerung von weiteren Qualifizierungen abhängig zu machen, wurden als nicht ausreichend abgetan und „schlecht“ gerechnet.
  3. Die Einführung von M-Class FB wurde uns vorgestellt. Aus dieser M-Class kommt der Mitarbeiter dann nur noch heraus, wenn im Bedarfsfall Positionen in der C-Class und der F-CL benötigt werden. Dann kann man sich darauf bewerben und dann, aber auch nur dann können höhere Gehaltsstufen erreicht werden.
  4. Die großflächige Befristung von Arbeitsverträgen wurde vorgeschlagen, um die Fluktuation in der Kabine zu erhöhen. Es sollen weniger Kollegen in höheren Gehaltsstufen ankommen, sondern vorher aus dem Unternehmen ausscheiden. Naiverweise könnte man nun vermuten, dass dies in den Augen der Lufthansa vor allem auf zukünftige Kollegen ziele. Wir wissen jedoch, und dies hat auch „Tradition“ im Hause Lufthansa, dass alle Kollegen betroffen sind. Maßnahmen, die nur bei zukünftigen Mitarbeitern angewendet würden, könnten nicht ausreichend Wirkung erzielen. Außerdem lohnt es sich, einmal die Bodenverträge anzusehen. Erst wurde für Neueinstellungen massiv gekürzt, dann wurde der Bestandsschutz für die „Alten“ gekippt. Im Bereich der LSG ist das noch nicht genug und man will nun auslagern.  Das Ergebnis sind katastrophale Lohnentwicklungen und Arbeitsbedingungen in vielen Bodenbereichen.

Was jedoch viel deutlicher ist, ist die Vorgehensweise der Lufthansa, wie sie sich am kleinen Beispiel der A380 zeigt. Um ihre Ziele zu erreichen, versucht die LH in den letzten Jahren das „Teile-und-Herrsche-Spiel“. Man geht erst an die eine Gruppe der Belegschaft in der Hoffnung, dass sich diese nicht alleine zur Wehr setzen kann.

Die UFO sagt jedoch an dieser Stelle eines so klar, dass es weder missverständlich, noch interpretierbar ist. Alles, was in der Zukunft vereinbart wird, wird die gleiche Wirkung auf alle Kabinen-Mitarbeiter entfalten. Seien es Verbesserungen, oder eben Verschlechterungen.

Verschlechterungen wird es geben, und zwar dann, wenn die Kabine sich nicht solidarisch zur Wehr setzt. Wir sind eure Vertreter und können in eurem Interesse verhandeln und organisieren. Aber nur mit eurer Hilfe und Solidarität können wir irgend etwas verhindern. Alleine mit guten Argumenten am Verhandlungstisch wird uns dies nicht mehr gelingen. Diese Zeiten scheinen endgültig vorbei.  Dazu hat unser Verhandlungsgegenüber offensichtlich nicht die Erlaubnis des Vorstands.

Wie geht es weiter?
Wir haben mit der LH einen weiteren Termin für den 23.07 vereinbart. Zu diesem Termin haben wir sie ultimativ aufgefordert, sich zu besinnen und uns verhandelbare Angebote „mitzubringen“.
Wir sind auch auf Gegenforderungen eingestellt. Wir wissen, dass es z. B. im Kont-Bereich Handlungsbedarf gibt. Allerdings hat hier die VC ein Prinzip angewandt, das auch wir uns bereits im Vorfeld als Prämisse gesetzt haben.
Um den Direktverkehr zu entlasten, hat die Cockpit eine Erhöhung der Auslösegrenzen für Mehrflugstunden für ALLE Piloten vereinbart, egal auf welchem Muster, egal auf welchen Strecken diese eingesetzt sind. Die eingesparten Beträge jedoch werden ausschließlich dem Direktverkehr zugerechnet. Wir wollen damit nicht sagen, dass wir genau solche Maßnahmen vereinbaren werden, allerdings werden wir wie gesagt nichts mehr gegen einzelne Gruppen und/oder für einzelne andere Gruppen tun. PUR I / PUR II / FB, Dezentral / HUB-stationierte, schon bestehende Verträge und Neuverträge müssen mit einem Maß betrachtet werden.

Sollte die LH diese Denkumkehr nicht vollziehen und uns auch in der siebten Verhandlungsrunde nichts bieten, über das man auch nur reden kann, können wir nur noch von einem Scheitern der Verhandlungen, mit allen daraus erwachsenden Konsequenzen ausgehen. Sollten wir dann in einem von allen Mitarbeitergruppen getragenen Arbeitskampf etwas erreichen, wird dies auch solidarisch allen Mitarbeitergruppen zukommen müssen.

Der Appell ist jedoch auch anders herum zu sehen: Sollten sich einzelne Mitarbeitergruppen mehrheitlich entscheiden, sich nicht zu beteiligen, und uns damit die Möglichkeit nehmen, etwas für DIE Kabine durchzusetzen, müssen wir diese Mitarbeitergruppen aus einem dann sicher sehr viel schlechteren Ergebnis auch noch „herausdenken“. Es mag ungewohnt sein, solche Betrachtungen so deutlich zu veröffentlichen. Wir sind uns jedoch auch sicher, dass die Bedrohung so drastisch ist, dass eine ehrliche und offene Vorabkommunikation das einzig Richtige ist. Wenn wir nicht gemeinsam kämpfen, dann wird sich jeder Purser nur noch überlegen können, ob er lieber auf die PUR-Zulage oder auf Gehalt verzichtet aber nicht mehr OB überhaupt. Dann wird ein FB bei einer Kappung auf Stufe 10 z. B. monatlich ca. 1.000.- € seines Grundgehalts verlieren. (Tabellenunterschied von 17 zu 10).

Wir wollen keine Angst schüren. Wir glauben an uns.
Die Kabine ist besser organisiert und informiert und leidet mehr unter der Arbeitsbelastung denn je. Wir wollen jedoch auch deutlich machen, dass ein „Augen zu und durch“ nicht  ausreichen wird. Nicht einmal um den Status Quo zu erhalten.
Wir werden euch weiter informieren und freuen uns über angeregte Diskussionen mit Euch.

Euro UFO-DLH-TK

 

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